Wenn die Sahara deine Module verdunkelt

Immer wieder, vor allem im Frühjahr und Sommer, wird der Himmel über Südeuropa milchig und die Sonne färbt sich orange. Eine Wolke aus Saharastaub — in Spanien als Calima bekannt — ist über das Mittelmeer nach Norden gezogen. Sie erreicht Spanien, Portugal, Italien und Südfrankreich regelmäßig, und bei starken Ereignissen schiebt sie sich bis nach Großbritannien und Skandinavien. Für PV-Betreiber richtet sie zwei ganz unterschiedliche Arten von Schaden an.

Schaden eins: Sie verdunkelt die Luft selbst

Staub, der hoch in der Atmosphäre schwebt, streut und absorbiert das Sonnenlicht, lange bevor es überhaupt deine Module erreicht. Während eines starken Ereignisses kann die Klarhimmel-Einstrahlung um zweistellige Prozentwerte einbrechen, obwohl weit und breit keine gewöhnliche Wolke zu sehen ist. Der Himmel wirkt hell, die Wetter-App sagt „sonnig” — und trotzdem sackt dein Ertrag ab. Genau diese Diskrepanz ist die Handschrift eines Aerosol-Ereignisses und kein Defekt.

Schaden zwei: Sie setzt sich auf dem Glas ab

Was aufsteigt, kommt irgendwann wieder herunter. Staub legt sich als feiner Film auf die Module, und anders als eine vorüberziehende Wolke verschwindet dieser Verlust nicht bei Sonnenuntergang. Er bleibt, bis Regen oder eine Reinigung ihn entfernt. Schlimmer wird es, wenn Staub und Regen gemeinsam ankommen: der „Blutregen”, der eine getrocknete Schlammschicht hinterlässt — weit hartnäckiger als trockener Staub und mitunter so fest, dass eine manuelle Reinigung nötig wird.

Warum gewöhnliche Prognosen das übersehen

Die meisten PV-Prognosen sind rund um die Bewölkung aufgebaut, und ein Staubereignis ist im üblichen Sinne nicht bewölkt. Der Himmel ist klar, aber diesig. Die entscheidende Größe ist die optische Dicke der Aerosole (AOD), und um sie vorherzusagen, braucht es ein eigenes Atmosphärenmodell wie CAMS von Copernicus. Eine Prognose, die für Aerosole blind ist, wird einen staubigen Tag selbstbewusst überschätzen — denn was ihre Wolkendaten betrifft, ist alles in bester Ordnung.

Was das für dich bedeutet

Zwei praktische Erkenntnisse. Rechne während eines Ereignisses mit einem Ertrag unterhalb dessen, was ein „klarer” Himmel vermuten lässt — und mach dich nicht auf die Suche nach einem Hardware-Defekt. Die Ursache liegt über dir, nicht auf deinem Dach. Und danach behalte deinen Ertrag im Auge: Bleibt der Ertrag nach dem Abklingen des Dunstes weiterhin gedrückt, sitzt meist noch Staub auf dem Glas — und ein Abspülen, idealerweise nachdem der staubbeladene Regen durchgezogen ist, holt ihn zurück.

Ein klarer Himmel ist nicht immer ein sauberer. Wenn die Sahara zu Besuch kommt, zahlen sowohl deine Luft als auch dein Glas den Preis.