Warum eine globale Prognose für PV nicht reicht

Jede PV-Prognose beginnt mit einem Wettermodell — und nicht jedes Modell sieht deinen Himmel gleich. Der Unterschied zwischen einem globalen Modell und einem hochauflösenden regionalen ist oft der Unterschied zwischen einer Prognose, die die Wolken von heute Nachmittag erwischt, und einer, die sie komplett verpasst.

Globale Modelle: der Blick durchs Weitwinkel

Globale Modelle wie das IFS vom ECMWF oder das GFS der NOAA decken den ganzen Planeten ab. Diese Reichweite hat ihren Preis: die Auflösung. Sie rechnen auf einem Gitter von grob 9 bis 25 Kilometern und behandeln alles innerhalb einer Zelle als einheitlich. Für großräumige Wetterlagen mit mehreren Tagen Vorlauf reicht das. Für die Photovoltaik, wo eine einzelne Quellwolke über deinem Dach den Ausschlag gibt, ist es ein Fleck.

Regionale Modelle: die Nahaufnahme

Genau hier verdienen sich regionale, hochauflösende Modelle ihren Platz. Der Deutsche Wetterdienst rechnet ICON-D2 mit rund 2 km über Mitteleuropa. Frankreich hat AROME mit etwa 1,3 km. Die nordischen Länder und die Niederlande teilen sich das System HARMONIE-AROME; Großbritannien hat das UKV des Met Office; die USA haben das HRRR der NOAA; Australien hat ACCESS vom dortigen Wetterdienst. Bei solchen Auflösungen fangen die Modelle an, Küstenlinien, Geländeformen und — entscheidend — die Konvektionswolken aufzulösen, die an einem Sommernachmittag aus dem Nichts entstehen.

Wolken sind das ganze Spiel

Für die Photovoltaik sind Zeitpunkt und Position der Wolken alles — und die sommerliche Konvektionswolke ist genau der Typ, mit dem sich ein grobkörniges globales Modell schwertut. Ein 2-km-Modell kann eine aufziehende Nachmittagsbewölkung über dem richtigen Tal und ungefähr zur richtigen Stunde platzieren; ein 25-km-Modell sagt dir nur, dass die Region „teils bewölkt” ist. Nur eines davon hilft dir, deinen Speicher und deine Waschmaschine sinnvoll einzuplanen.

Der Kompromiss — und die Antwort

Regionale Modelle sind kein geschenkter Sieg. Sie decken kürzere Zeithorizonte ab, von Stunden bis zu wenigen Tagen, während globale Modelle zehn Tage und mehr in die Zukunft reichen. Die ehrliche Antwort lautet also nicht: Wähle eines — sondern: Kombiniere sie. Nutze das scharfe regionale Modell dort, wo es verfügbar ist, für die nahe Zukunft, und greife für den langen Blick auf das globale Modell zurück. Genau deshalb schöpft ein gutes Prognosesystem aus vielen Modellen gleichzeitig und wählt für deine Region und deinen Prognosehorizont die jeweils beste verfügbare Quelle — statt allen Menschen auf der Erde denselben globalen Feed zuzumuten.

Die beste Prognose für dein Dach ist nicht die mit der größten Karte. Es ist die, die weiß, welchem Modell sie für deinen Fleck Himmel vertrauen kann — und wann.