Gleiche PV-Anlage, andere Stadt — der Ertrag klafft

Nimm eine einzige, identische 5-kWp-Anlage — dieselben Module, dieselbe Neigung, derselbe Azimut — und stell sie in vier europäischen Hauptstädten auf. Die Ergebnisse liegen nicht nah beieinander. Warschau, Berlin und Amsterdam landen ungefähr auf demselben Niveau; Madrid hängt alle drei deutlich ab. Zu verstehen, warum das so ist, macht den Unterschied zwischen einer realistischen Prognose und einem enttäuschten Anlagenbesitzer.

Die nackten Zahlen

Eine gut ausgerichtete 5-kWp-Anlage bringt in Warschau, Berlin oder Amsterdam rund 5.000 kWh im Jahr. Stell sie nach Madrid, und aus exakt derselben Hardware werden eher 7.500–8.000 kWh. Das sind 50–60 % mehr — und kein Prozent davon kommt von besseren Modulen. Es kommt einzig und allein vom Standort.

Der Breitengrad bestimmt den Sonnenstand

Je weiter du nach Norden gehst, desto tiefer steht die Sonne am Himmel — vor allem im Winter. Eine tiefer stehende Sonne bedeutet, dass das Licht einen längeren Weg durch die Atmosphäre nimmt und in einem flacheren Winkel auf die Module trifft. Beides schmälert die Energie, die tatsächlich auf den Zellen ankommt. Madrid liegt bei etwa 40° Nord; Berlin, Amsterdam und Warschau liegen alle oberhalb von 52° Nord. Dieses gute Dutzend Breitengrade macht bei der Winterproduktion einen gewaltigen Unterschied.

Das Klima entscheidet, wie oft sich die Sonne zeigt

Der Breitengrad ist nur die halbe Geschichte. Madrid genießt ein Mittelmeerklima mit vielen wolkenlosen Tagen. Über der Norddeutschen Tiefebene — Warschau, Berlin, Amsterdam — hängt deutlich mehr Bewölkung, und ein großer Teil des Lichts trifft als diffuse statt als direkte Strahlung ein. Wolken dämpfen nicht nur ein paar Stunden; übers Jahr gerechnet löschen sie einen erheblichen Anteil des theoretischen Maximums aus.

Der Sommer verkleinert die Lücke, der Winter reißt sie auf

Hier steckt die Feinheit, die die meisten Vergleiche übersehen. Im Juni holen die nördlichen Städte viel auf: Auf 52° Nord sind die Tage extrem lang, mit weit über 16 Stunden Tageslicht. Eine gute Sommerwoche in Warschau kann es mit einer in Madrid aufnehmen. Was die beiden trennt, ist der Winter. Kurze Nordtage und dichte Bewölkung sorgen dafür, dass die Dezemberproduktion in Warschau nur ein Bruchteil ihres Juni-Werts sein kann — während Madrid übers ganze Jahr vergleichsweise stark bleibt.

Warum das für deine Prognose zählt

Daraus folgen zwei Dinge. Erstens: Du kannst einen Ertragswert nicht einfach von einem Land aufs andere hochrechnen. Die Physik deines konkreten Standorts muss modelliert werden, nicht geliehen. Zweitens variiert die Schwierigkeit des Prognostizierens selbst mit dem Klima: Ein klarer Mittelmeerhimmel ist weit besser vorhersagbar als ein unruhiger maritimer, an dem Wolken innerhalb einer Stunde aufziehen und wieder abziehen können. Eine Prognose, die auf deinen genauen Breitengrad, deine Neigung und dein lokales Wetter abgestimmt ist, schlägt einen generischen Landesdurchschnitt immer.

Wenn du deine eigenen Zahlen siehst, schaust du nicht darauf, wie gut deine Module sind. Du schaust darauf, wohin die Sonne dich auf der Landkarte gestellt hat.