Lohnt es sich, nachts Strom zu kaufen und tagsüber einzuspeisen?

In der Variante „nachts billig kaufen, tagsüber teuer einspeisen” — praktisch nie. Die Einspeisevergütung liegt nahe am Nachttal-Preis (oder darunter), und die Speicherwandlung frisst 10–15 %. Rentabel ist eine andere Arbitrage: „nachts billig kaufen, in der teuren Spitze selbst verbrauchen” — also die teuersten Bezugsstunden durch eigenen günstigen Vorrat ersetzen, nicht mit dem Netz handeln.

Warum das Einspeisen nicht aufgeht

Die Rechnung mit typischen Zahlen: Nachtstrom im Börsen-Tal einkaufen, Einspeisung zur Vergütung von wenigen Cent — nach Abzug der Round-Trip-Verluste bleibt null oder ein Minus, und die Batteriezyklen verbrauchst du obendrein. Mittags sind die Börsenpreise zudem oft die niedrigsten des Tages — dann speist die PV des ganzen Landes ein. Deshalb deaktivieren Installateure die Nachtladung im Sommer zu Recht: Die Sonne füllt den Speicher ohnehin gratis. Die sinnvolle Version lenkt den günstigen Strom in den eigenen Abendverbrauch, wo du die volle Differenz der Bezugspreise „verdienst” — und die ist im dynamischen Tarif oft ein Mehrfaches.

Was du tun kannst

  1. Deinen Spread auf dem Verbrauch rechnen: Preis deiner teuersten Bezugsstunde minus Nachttal, mal Wirkungsgrad ~0,85. Deutlich positiv (25–30 %+) = Arbitrage „auf Verbrauch” funktioniert.
  2. Nur aus dem Netz laden, wenn die Sonne nicht reicht: Die Entscheidung trifft die morgige Ertragsprognose (eigene Antwort: nachts oder mit Sonne laden) — sonst kannibalisiert die Arbitrage den kostenlosen Überschuss.
  3. Abendspitzen immer aus dem Speicher decken, nie aus dem Netz — das ist das richtige „teuer verkaufen”, nur eben an dich selbst.
  4. Ausnahme fürs Einspeisen: extreme Preisspitzen (frostige Abende) — kann dein System aus der Batterie einspeisen, sind einzelne Stunden die Mühe wert; das bleibt aber Bonus, nicht Strategie.

Vollständiger Leitfaden: speicher-laden-netz-oder-sonne