Wie viel kWp hat meine Anlage wirklich — 800 W oder 870 Wp?
Die kWp-Zahl deiner Anlage ist die Summe der Nennleistungen deiner Module — und sonst nichts. Beim Balkonkraftwerk werden dafür regelmäßig zwei völlig verschiedene Zahlen verwechselt: Das bekannte 800-W-Limit beschreibt die Einspeiseleistung des Wechselrichters, also die Wechselstromseite. Zwei Module mit je 435 Wp ergeben dagegen 870 Wp Modulleistung, für die Prognose also 0,87 kWp. Wer stattdessen 800 W einträgt, rechnet seine Anlage dauerhaft klein.
Warum beim Balkonkraftwerk zwei Zahlen kollidieren
Die Grenze von 800 VA gilt für das, was der Wechselrichter ins Hausnetz abgibt. Für die Modulleistung gilt sie ausdrücklich nicht — dort liegt die Grenze höher und hängt am Stecker. Seit Dezember 2025 erlaubt die Produktnorm DIN VDE V 0126-95 am gewöhnlichen Schuko-Stecker 960 Wp Modulleistung, also 800 Wp plus 20 Prozent; mit einem speziellen Energiestecker sind bis zu 2000 Wp zulässig. Der Wechselrichter bleibt in beiden Fällen bei 800 VA. Deshalb verkaufen Händler ganz legal Sets mit 870 oder 960 Wp und einem 800-W-Gerät — das ist kein Etikettenschwindel, sondern die vorgesehene Bauweise. Angemeldet wird seit dem Solarpaket I nur noch im Marktstammdatenregister, nicht mehr beim Netzbetreiber.
Für eine Ertragsprognose zählt die Modulseite, weil sie beschreibt, wie viel Licht überhaupt eingesammelt wird — Fläche mal Wirkungsgrad. Der Wechselrichter kommt erst danach ins Spiel, als Deckel auf dem Ausgang. Trägst du 800 W ein, unterstellst du dem Modell bei einem 870-Wp-Set gut acht Prozent weniger Fläche, bei einem 960-Wp-Set ein Sechstel — und zwar in jeder Stunde des Jahres, auch am Novembermorgen, an dem die 800 W ohnehin nie erreicht werden.
Auf dem Dach gilt dieselbe Regel
Bei der Dachanlage ist der Effekt derselbe, nur mit größeren Zahlen: Zwölf Module mit je 510 W ergeben 6,12 kWp, auch wenn an der Wand ein 5-kW-Wechselrichter hängt und im Angebot „6 kW” gerundet steht. Ein DC/AC-Verhältnis zwischen 1,1 und 1,3 ist Planungsstandard, kein Sparfehler — Module erreichen ihre Nennleistung nur unter Laborbedingungen, also wird der Wechselrichter auf die reale Spitze ausgelegt und kappt an einer Handvoll Sommermittage.
Die ehrliche Zahl steht auf dem Typenschild an der Modulrückseite und im Datenblatt, das der Installateur dagelassen hat: Modulleistung mal Anzahl, und das getrennt pro Ausrichtung. Ein Ost- und ein Weststrang haben ihr Maximum Stunden auseinander, das Modell braucht sie einzeln. Zwei Quellen führen dagegen zuverlässig in die Irre — die App des Wechselrichters, die meist dessen AC-Leistung anzeigt, und die gerundete Zahl auf dem Angebot.
Wie ein falscher kWp-Wert in den Daten aussieht
Das Erkennungsmerkmal ist ein konstantes Verhältnis, und genau daran unterscheidet es sich vom Wetterfehler. Nimm fünf bis zehn wolkenlose Tage, verteilt über zwei Monate, und teile für jeden Tag die tatsächliche Erzeugung durch die Prognose. Wetterfehler streuen: mal deutlich darüber, mal darunter. Ein falscher kWp-Wert streut nicht, weil er ein fester Faktor auf jeder Stunde jedes Tages ist — alle klaren Tage landen nahe demselben Wert.
Liegen sie um 0,8, sind rund 20 % zu viel Leistung eingetragen. Liegen sie um 1,2, ist zu wenig eingetragen: Das passiert, wenn jemand die 5 kW des Wechselrichters statt der 6,12 kWp der Module einträgt — oder beim Balkonkraftwerk 800 W statt der 960 Wp, die auf dem Dachständer liegen.
Was du tun kannst
- Module zählen und ein Typenschild lesen — Anzahl mal Wattpeak, getrennt nach Ausrichtung. Fünf Minuten Aufwand für die wichtigste Zahl der gesamten Konfiguration.
- Wattpeak der Module eintragen, nicht die kW des Wechselrichters — dass beide 10 bis 30 % auseinanderliegen, ist normal und so geplant.
- Beim Balkonkraftwerk ins Moduldatenblatt schauen — die Zahl im Produktnamen („800 W”) ist die Einspeisegrenze, nicht die Modulleistung.
- An klaren Tagen das Verhältnis prüfen, bevor du der Prognose misstraust — ein konstanter Versatz ist ein Konfigurationsfehler, ein streuender ist Wetter.
- Nach jeder Änderung nachziehen — nachgerüstetes Modul, getauschtes Modul, zweiter Strang. Eine einmal eingetragene Leistung veraltet still.
Vollständiger Leitfaden: die-drei-zahlen-deiner-pv-anlage